Von Kollegen, für Kollegen

Bei Daimler heißen die #COMRebels Erklärbären

Joachim ‚Jogy‘ Blaschek ist Innovationsingenieur bei Daimler in Gaggenau und dem Automobilriesen seit 14 Jahren in unterschiedlichen Funktionen treu. Heute sorgt der ausgebildete Informatikkaufmann im Bereich Powertrain Trucks dafür, dass die Produktionskette durch Innovationen smarter wird. In der Unternehmens­kommunikation hat er nie gearbeitet und doch ist er heute in Sachen Kommunikation unterwegs. Ann-Catrin Dornauer und Ingrid Blessing haben den Quereinsteiger und #COMRebel interviewt und waren beeindruckt.

Joachim Blaschek COMRebel Daimler
Joachim 'Jogy' Blaschek

Jogy, was ist ein Erklärbär und wie wurdest du dazu?

Die Geschichte der Erklärbären begann 2013, als ich zusammen mit meinem Kollegen Cedric Götz für eine Führungs­kräfte­veranstaltung gebucht wurde, um etwas über die digitalen Aktivitäten bei Daimler zu erzählen. Was gibt es für Apps? Wie funktioniert mein Blackberry? Und all diese typischen Fragen, die gerade relevant waren. Damals haben wir festgestellt, dass der Bedarf riesig war und haben in unserer Freizeit beim einen oder anderen Feierabendbier Konzepte entwickelt, wie man Mitarbeiter und Führungskräfte auf Marktplätzen so befähigen kann, dass sie wirklich etwas mitnehmen und später weitergeben können. Über unsere Erfahrungen haben wir im damaligen Intranet einen Artikel geschrieben und kamen so in Kontakt mit der Stuttgarter Zentrale, dem DigitalLife  Team und mit dem Thema Mitarbeitervernetzung.

Ihr wurdet also über die Werksgrenzen hinaus aktiv?

Genau. Und damals, im Oktober 2015, hat sich die Rolle des Erklärbären gewandelt. Denn jetzt haben wir keine Apps mehr erklärt oder die Einstellungen am iPhone, sondern Fragen beantwortet wie: Warum ist es so wichtig, dass ich mich vernetze, dass meine Arbeit sichtbarer wird, dass ich als Mensch präsenter bin? Und warum ist es so wichtig, Wissen zu teilen? Einige Monate später kam die Beta-Version eines Social Intranets heraus und wir haben uns als Pilot-User gemeldet. Das war der endgültige Durchbruch.

Gab es denn am Anfang auch Widerstände, als ihr einfach losgelegt habt, zum Beispiel in der Unternehmenskommunikation, deren Aufgabe es ja ist, Dinge zu erklären?

Nein, bei der Kommunikationsabteilung eher weniger, da wir nicht als Kommunikatoren aufgetreten sind, aber die Idee des ‚Sharing is Caring‘, also des permanenten Austausches von Wissen, war für manche Kollegin und manchen Kollegen damals noch neu und ungewohnt.

Mit der Einführung des Social Intranets hat sich eure Rolle also etabliert?

Richtig. Denn jetzt hatten wir die Plattform, um unsere Vorträge zu posten, kleine Artikel und Fotos zu teilen und Kollegen zu ermuntern, aus ihrem Alltag zu erzählen, ihr Wissen weiterzugeben und sich zu vernetzen.

Es ist ja nicht jeder der geborene Erzähler. Was machte grade dich und deinen Kollegen zum Erklärbären. Was habt ihr, was andere nicht haben?

Wir haben einfach ganz ungezwungen und ohne viel nachzudenken Geschichten aus dem Alltag erzählt. Ich denke, wir waren fasziniert von den neuen Möglichkeiten der Kommunikation und der Zusammenarbeit. Diese Begeisterung wollten wir weitergeben und anderen Mut machen, die Veränderungen mitzugehen und die Chancen ebenfalls zu nutzen. Wir waren  manchmal auch unsicher, ob wir das Richtige tun, haben uns dann aber immer gegenseitig darin bestärkt, einfach weiterzumachen.

Wie habt ihr eure Unsicherheit verloren?

Vor allem im Dialog mit anderen. Durch Online-Kommentare, persönliche Gespräche und einfach durch Ausprobieren. So haben wir beispielsweise im Lauf der Zeit gemerkt, dass kurze Beiträge eine höhere Resonanz erzielen als lange, dass das Teilen von Präsentationen gut ankommt und vieles mehr. Auch haben wir durch das Feedback unserer Kommunikationsprofis gelernt.

Denkst du, dass dieser Art der Mitmachkommunikation die Zukunft gehört, zumindest in der internen Kommunikation?

Meine Wahrnehmung ist, dass Kommunikation auf vielfache Weise  funktioniert. Eine Variante können Übersetzer wie die Erklärbären oder so genannte Local Communicators sein. Das sind vielleicht keine Profis im Erstellen von Texten, erreichen aber ihre jeweilige Community, weil sie deren Sprache sprechen und deren Vertrauen genießen.

Ingrid Blessing und Ann-Cathrin Dornauer im Gespräch mit Joachim 'Jogy' Blaschek
Making of: Ingrid Blessing und Cati Dornauer im Gespräch mit #COMRebel Joachim 'Jogy' Blaschek

Aktuell machst du ja zwei Jobs parallel. Wie bekommst du das unter einen Hut?

Den Erklärbär sehe ich nicht unbedingt als zusätzlichen Job. Es ist eher ein Zusatzthema, sozusagen eine weitere Kompetenz, die ich bei mir entdeckt habe. Es ist schön, dass ich diese Leidenschaft in meine Arbeit bei Daimler integrieren kann. Manchmal sitze ich auch abends noch an einem Artikel, den ich schnell raushauen möchte. Das liegt aber daran, dass mir das Thema wichtig ist. Grundsätzlich ist mein Einsatz als Erklärbär auch von den Führungskräften im Rahmen meiner Tätigkeit als Innovationsingenieur gewünscht. Die haben schnell gemerkt, dass unsere ersten Gehversuche – den Mitarbeitern ein paar Apps vorzustellen – erfolgreich waren. Daher haben wir mittlerweile den Freiraum und Kapazitäten für die Arbeit als Erklärbären, zum Beispiel für Vorträge auf Townhalls. Die Führungskräfte waren von Anfang an stolz und haben den Mehrwert für Daimler direkt verstanden, die Flexiblität durch mobiles Arbeiten bei Daimler hilft ebenfalls.

Welche digitalen Content-Formate seht ihr weit vorne in der internen Kommunikation?

Das große Problem in vielen Unternehmen ist ja, dass unglaublich viel gemacht wird, aber der Content findet nicht den Weg zu allen Kolleginnen und Kollegen, was vollkommen normal ist. Und die, die eine Information haben, teilen sie nicht, um sie auch anderen zugänglich zu machen. Dann haben wir uns überlegt, welches Medium sich heutzutage am besten eignet, um Informationen zu teilen. Früher war das die Zeitung, ein Artikel. Dann war es ein RSS Feed, dann Audios bzw. Podcasts und jetzt sind es Videoformate. Auf diesen Zug sind wir auch selbst aufgesprungen, da audiovisuelle Inhalte gerade in der Mitarbeiterkommunikation am besten ankommen und gerne geteilt werden, was sich extrem gut auf die Reichweite einer Information im Unternehmen auswirken kann. Deshalb planen wir momentan verschiedene Erklärbär-Videos im Snackformat.

Brauchen wir denn im Zeitalter der Erklärbären überhaupt noch eine zentrale Kommunikationsabteilung?

Ich denke, dass der Kommunikationsbereich grundsätzlich der initiale Türöffner für die Themen ist. Es gibt eine Neuigkeit oder eine Veränderung, die zunächst von der klassischen Unternehmenskommunikation transferiert und an bestimmten Stellen platziert wird. Wir stellen fest, dass dann oft eine Diskussion zu diesen Themen entsteht. Die trifft sich im Regelfall auf der untersten Ebene, auf der die Mitarbeiter Fragen haben. Da kann ich mir Erklärbären oder Local Communicators vorstellen, die durchaus von der Kommunikationsabteilung gebrieft sind und in Gruppendiskussionen reingehen, um den Mitarbeitern ihre Fragen direkt zu beantworten. Wir als Erklärbären wären damit der verlängerte Arm der Kommunikationsabteilung im Unternehmen. Weil unsere Kommunikation heutzutage schnelllebig ist, wird es immer wichtiger, solche Instanzen im Unternehmen zu etablieren. Es muss also meiner Meinung nach weiter eine zentral gesteuerte interne Kommunikation geben, denn diese sitzt an der Quelle der Information und kann damit auch die Richtigkeit einer Aussage garantieren. Aufgabe der Local Communicators wäre es dann, diese Informationen herunterbrechen und sie zielgruppengerecht und verständlich weiterzustreuen. An jeder Stelle der Kommunikationskette steht also eine Art „Übersetzer“, der Informationen passend zur Zielgruppe in seine Community weitergibt. Nur so fließt Information dahin, wo sie auch hingehört. Das verhindert auch das sogenannte Stille-Post-Phänomen und nimmt oft die extremen Emotionen aus den Diskussionen. Dazu gehört aber natürlich auch, von unten nach oben eine Rückmeldung zu akzeptieren und ernst zu nehmen.

Wie hilft euch das Social Intranet dabei, eure  Art der Kommunikation zu unterstützen?

Es ist ein absoluter Beschleuniger! Ich bin sehr froh, dass Daimler die Entscheidung getroffen hat, das alte Intranet nach 17 Jahren durch das neue Social Intranet abzulösen. Am Switch Day – also am Tag, an dem das Social Intranet zur Startseite im Browser aller Daimler-Mitarbeiter wurde – stand mein Telefon keine Minute still. Einen Tag später habe ich dann auch einen Vortrag über das Social Intranet gehalten, in dem es galt, durchaus auch emotionale Diskussionen zu entschärfen. Mit Hilfe solcher Formate konnten wir kritischem Feedback entgegenwirken. Und wir entwickeln uns natürlich auch persönlich weiter, wenn wir die Chance haben, solche Situationen zu meistern.

Also wachst ihr auch persönlich an eurer Aufgabe?

In jedem Fall! „Start with you!“ Wenn du etwas verändern möchtest, musst du bei dir selbst anfangen. Wir haben den Sinn, den Purpose unser Arbeit als Erklärbären erkannt. Wir wollen diejenigen sein, die andere ermutigen, ihrer Geschichte ebenfalls eine Bühne zu geben. Ich habe ganz tolle Erfahrungen mit Menschen gemacht, die sich vorher immer sehr zurückgehalten haben und die über eine agile Arbeitsweise, neue Formate der Mitarbeiterbeteiligung und transparente Kommunikation unglaubliche Ideen entwickelt haben. Ein riesengroßes Potential, das ein Unternehmen bestmöglich ausschöpfen sollte! Und wir Erklärbären entwickeln uns in einer solchen Kultur immer weiter vom reinem Kommunikator zum Coach. Eine tolle Reise - zum Wohle aller.

Lieber Jogy, auf dieser Reise wünschen wir dir und deinen Kollegen viel Glück. Nicht ohne vorher unsere obligatorische Abschlussfrage zu stellen: Welche beiden Apps braucht der Kommunikator von heute unbedingt für seine Arbeit?

Oh, ich glaube da habe ich wenig Neues zu bieten. Darf ich stattdessen auch zwei Buch-Tipps abgeben? Dann empfehle ich folgende Lektüre:

  1. Dr. Leon Windscheid: Hey Hirn! Warum ticken wir wie wir ticken
  2. Gerald Hüther: Was wir sind und was wir sein könnten

#COMRebels

Auch die Unternehmenskommunikation ist im Zeitalter des digitalen Wandels nicht mehr das, was sie einmal war: gewohnte Wege der Informationsverbreitung verlieren an Bedeutung, glattgebügelte Corporate News dringen nicht mehr durch, und der ‚Jeder-mit-jedem-Dialog‘ über Soziale Medien und Communities lässt die Kommunikationsteams in den Unternehmen die Hoheit über die Verbreitung der Botschaft verlieren. Auf der anderen Seite ermöglichen Chatbots und Künstliche Intelligenzen ganz neue Zugänge zu den Bedürfnissen von Kunden, Mitarbeitern und Bewerbern, sorgen aber auch für fundamentale technische und kulturelle Veränderungen.

Schöne neue Welt der unbegrenzten Möglichkeiten?

Wie sieht sie denn nun aus, die (digitalisierte) Unternehmenskommunikation der Zukunft? Wie, wo und durch wen wird sich der Austausch von Informationen abspielen? Und wie gestalten wir das Zusammenspiel von Mensch und Maschine?

Wir suchen nach Antworten

... und sprechen mit den #COMRebels, den mutigen, jungen, wilden, digitalen und experimentierfreudigen Vertreter*innen einer Spezies, deren Arbeit eine Schlüsselrolle einnimmt bei der Transformation Ihres Unternehmens zum erfolgreichen Player im digitalen Zeitalter.

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Hier fiinden Sie unser Future Communications Beratungsportfolio.

Das Interview führten

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